Aufmerksame Hörer mit vier Pfoten


Hund dem vorgelesen wirdLeseschwache Kinder in den USA machen erstaunliche Fortschritte, wenn sie Hunden vorlesen
Der elfjährige Shawn Helgeson nimmt sein Lieblingsbuch («Der Wachhund und die Kojoten») vom Regal in der öffentlichen Bibliothek in Gresham im US-Staat Oregon und macht sich parat, die Geschichte seinem Freund Patrick vorzulesen. Dieser sitzt neben Shawn, schaut ihn erwartungsvoll an und hört dann gespannt zu, als Shawn ihm die Geschichte vom Wachhund erzählt. Manchmal scheint Patrick sogar zu lachen. .

Patrick kennt sich in der Hundewelt gut aus. Er ist selber ein Hund, ein hellbeiger Labrador. Und dass Shawn ihm vorliest, ist kein Zufall. Patrick ist speziell dressiert worden, in der Bibliothek leseschwachen Kindern zuzuhören, wenn sie ihm ein Buch vorlesen. Er und seine Besitzerin Rachel Timmon gehören der Organisation Read an (Reading Education Assitance Dogs), die in vielen öffentlichen Bibliotheken der USA solche «Hundevorlesungen» organisiert.

Zurückhaltend mit Kritik

Die Idee dazu kam 1999 in Salt Lake City der Krankenschwester und Tierfreundin Sandi Martin. Im Spital, wo sie arbeitet, bringen Freiwillige Hunde und andere Haustiere auf regelmässige Besuche der Patienten, was auf diese meist sehr therapeutisch wirkt. Martin hatte plötzlich eine Eingebung: Vielleicht würde es auch leseschwachen Kindern helfen, wenn sie einem liebevollen Hund vorlesen könnten. Sie setzte sich mit der städtischen Bibliothek in Verbindung. Dort fand man zwar Martins Idee «verrückt», wie sich die Angestellte Dana Tumpowsky lachend erinnert, aber willigte ein, es zu versuchen.
Das Programm wurde ein voller Erfolg. Es zeigte, sich, dass leseschwache Kinder erstaunliche Fortschritte machen, wenn sie einem Hund – der sie nicht kritisiert, Liebe verströmt und geduldig oder sogar interessiert zuhört – regelmässig vorlesen können. Und wenn sie beim Vorlesen ihren getreuen Kumpanen streicheln können, beruhigt das auch nervöse oder reizbare Kinder.
Auf die Hunderasse kommt es nicht an. Read-Hunde werden darauf abgerichtet, in der Bibliothek keinen Lärm zu machen, geduldig zuzuhören und sich von den Kindern streicheln zu lassen. Natürlich gibt es dafür eine Belohnung. Sandi Martin ist jetzt sogar daran, ihrem Hund beizubringen, den Kindern zu helfen, die Buchseiten zu wenden, indem sie unter jeder Seite ein Häppchen versteckt. «Die Kinder glauben, Akita sei vom Buch fasziniert …», lacht sie.
Von Reto Pieth, Montreal

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